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- Sozialtarif für das Oldenburger Staatstheater - Antrag vom: 02.02.2010
Herrn Stadtrat Martin Schumacher Peterstraße 3 26121 Oldenburg
Oldenburg, 02.02.10
Nächste Sitzung des Kulturausschusses und des Rates
Sehr geehrter Herr Schumacher,
zur o. g. Ausschusssitzung bitten wir um Aufnahme des Tagesordnungspunktes
auf die Tagesordnung.
Beschlussvorschlag:
Die von der Stadt Oldenburg in den Verwaltungsausschuss des Staatstheaters bestellten Mitglieder werden beauftragt, sich für die Einführung eines Sozialtarifs einzusetzen.
Dieser ist so zu gestalten, dass Beziehungsberechtigte des Oldenburg-Passes unter Vorlage ebendieses Passes an den Abendkassen für die anstehende Aufführung eine Eintrittskarte in allen Preisgruppen für einen Betrag von 3 Euro erhalten. Diese Möglichkeit des Erwerbs gilt ab einer halben Stunde vor Aufführungsbeginn.
Begründung:
Über die Fraktionsgrenzen hinweg besteht Einigkeit darüber, dass die Kulturelle Bildung einen hohen Stellenwert zu genießen hat, da sie u. a. sozialen Missständen entgegenwirkt, unterschiedlichste Fertigkeiten lehrt und kreatives Potenzial befördert, das auch einen positiven Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der geförderten Region nimmt.
Kulturelle Bildung steht aber auch in Wechselbeziehung mit der Kulturellen Teilhabe. Ohne Kulturelle Bildung keine Teilhabe, aber auch ohne Teilhabe keine Kulturelle Bildung. Dieser Beschlussvorschlag soll die Teilhabemöglichkeit auch für jene Menschen schaffen, die über ein geringes Einkommen verfügen. Die bisherige Praxis, dass Bezieher des Oldenburg-Passes eine Vergünstigung um 50% zum herkömmlichen Eintrittspreis innerhalb der Preiskategorien ermöglicht bekommen, ist aber nicht ausreichend. Allein innerhalb der niedrigsten Preisklasse kostet die ermäßigte Eintrittskarte immer noch zwischen 3,50 und 5,50 Euro.
Die Einordnung von Beziehern des Oldenburg-Passes in die Gruppierung der Schüler, Jugendliche, Studierenden, Wehr- und Ersatzdienstleistenden, Auszubildenden und Helfern im freiwilligen Sozialen Jahr ist unstimmig. Das Schüler-, Jugendlich- und Studierendensein sagt z.B. nicht automatisch darüber etwas aus, über wie viel Geld diese Gruppierungen verfügen. So gibt es sowohl Studenten mit geringem Budget, die von den Eltern wenig Unterstützung erfahren können, aber auch das Gegenteil. Bei Schülern und Jugendlichen verhält es sich ähnlich. Aber auch das Budget der anderen in dieser Gruppierung aufgezählten Gruppen kann nicht sicher abgeschätzt werden, da sich auch hier oftmals der Wohnsitz noch bei den Eltern befindet und aus dem elterlichen Haushalt Unterstützung erfolgt.
Bei Beziehern des Oldenburg-Passes verhält es sich aber anders. Die Beziehungsberechtigung erfolgt nach einer festen Bemessungsgrenze, die einen eine gewisse Sicherheit darüber gibt, über wie viel Geld die Person verfügen kann. Da sich Bezieher von sozialen Transferleistungen oftmals schon in anderen Lebensverhältnissen befinden als Schüler und Studenten, Verantwortung über Familien zu tragen haben und den daraus resultierenden finanziellen Zwängen unterliegen, ist eine Finanzierung eines Theaterbesuches nach der bisherigen Preistabelle nicht möglich. Ein gemeinsamer Familienabend oder -nachmittag ist nicht erschwinglich.
Da die Kulturelle Bildung vor allem auf die Kinder abzielt, die Zahl der Kinder in Armut aber stetig steigt und dadurch die Kulturelle Teilhabe eingeschränkt wird (und dieses wiederum in Wechselwirkung mit der Kulturellen Bildung steht), besteht auf allen Ebenen dringender Handlungsbedarf.
Ein Eintrittspreis von 3 Euro an der Abendkasse für Bezieher des Oldenburg-Passes würde hier Abhilfe und mehr Gerechtigkeit schaffen. Ohnehin liegt die Auslastung der Aufführungen in den unterschiedlichen Sparten zwischen 35% und 90%. Eine komplette Auslastung liegt äußerst selten vor oder wird durch Ehren- und Freikarten erreicht. Selbst bei den anderen Auslastungen sind immer wieder Ehren- und Freikarten zu beobachten. Jeder weitere vergebene Platz auch zu 3 Euro stellt folglich eine Mehreinnahme für das Staatstheater dar.
Sowohl aus der bildungspolitischen, sozialen als auch wirtschaftlichen Sicht stellt die Einführung dieses Sozialtarifes eine Bereicherung dar.
Mit freundlichen Grüßen
f. d. Ratsfraktion
gez. Sebastian Beer
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